Fußball: 3. Liga
So viel Brisanz steckt in der Preußen-Bilanz

Münster -

Erstmals lagen offizielle Zahlen zum negativen Eigenkapital auf dem Tisch, als der SC Preußen am Montag seinen Info-Abend zur geplanten Ausgliederung ausrichtete. Die Bilanzen sind natürlich nicht ohne Brisanz. Schuldzuweisungen gab es aber nicht. Der Dialog mit den Mitgliedern gelang derweil.

Mittwoch, 13.12.2017, 07:12 Uhr

Frank Nordhoff von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG (l.) und Aufsichtsratschef Frank Westermann warben um die Zustimmung der Mitglieder.
Frank Nordhoff von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG (l.) und Aufsichtsratschef Frank Westermann warben um die Zustimmung der Mitglieder. Foto: Weskamp

Die Sache mit den 2,5 Millionen Euro geisterte ja seit Monaten durch die Stadt. Am Montag dokumentierte die aktuelle Vereinsführung des SC Preußen erstmals schwarz auf weiß die Lage. Mehr als zwei Millionen Euro negatives Eigenkapital belasteten den Verein zum 30. Juni 2016. Die in der Gerüchteküche immer wieder gehandelte Summe könnte am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in Hiltrup unter dem Strich stehen. Diese Bilanz lässt den Schluss zu, dass eine Lizenzverweigerung auf Sicht noch eher droht als der sportliche Abstieg. Und das will ja was heißen aktuell.

Die Führungscrew bemühte sich, so die Notwendigkeit der Ausgliederung in eine GmbH & Co. KGaA zu verdeutlichen. Und je roter die Zahlen, umso dringlicher sei dieser Schritt. Die Vorgänger der jetzigen Amtsinhaber können bei den Bilanzierungen aber auf Testate von unabhängigen Wirtschaftsprüfern und die regelmäßige Lizenzerteilung – meist ohne Auflagen – durch den DFB in der vergangenen Dekade verweisen. Nur in den vergangenen beiden Jahresabschlüssen rutschte das operative Ergebnis in den negativen Bereich.

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Dramatisch sinkende Zuschauerzahlen

Mächtig Staub aufgewirbelt wurde am Montag allemal. Der Vereinsreport des DFB deutet an, dass aufgrund des viel zu teuren Personals die Liquidität zuletzt mehrfach auf der Kippe stand und neue Verbindlichkeiten geschaffen wurden. Auch für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 ist ein Minus zu erwarten, gerade nach dem Rauswurf von Trainer Benno Möhlmann und dramatisch sinkenden Zuschauerzahlen. Der Verweis auf stille Reserven wie die Namensrechte oder den Kaderwert (laut transfermarkt.de aktuell 5,13 Millionen Euro) als Ausgleich, zieht nur sehr bedingt. Denn Ablösen erzielt ein Drittligist äußerst selten, und der Verkauf der Traditionsmarke „Preußen Münster“ kann ja auch keinesfalls vorgesehen sein.

Auseinander gingen Führungskräfte wie Fans zumindest mit einem weniger mulmigen Gefühl, was die Informationspolitik betrifft. Strässer , der zu Beginn „einen fairen Umgang miteinander trotz unterschiedlicher Meinungen“ propagiert hatte, beschloss den Abend mit dem Hinweis: „Die Art und Weise, wie wir sprechen, war wirklich wohltuend.“ Der 68-Jährige wusste, dass die, die gegen die Ausgliederung sind, kaum zu überzeugen sein werden. Und dass andere längst hinter dem Vorhaben stehen.

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Stichwort: Verbindlichkeiten

Über zwei Millionen Euro negatives Eigenkapital besaß der SC Preußen zum 30. Juni 2016. Auf den Mitgliederversammlungen tauchte dieser Wert, der von 2005 bis 2014 und nach stets positiven Jahresabschlüssen von rund zwei Millionen Euro auf 940.000 Euro geschrumpft war, nie auf. Allerdings lagen die detaillierten Zahlen hierzu regelmäßig zur Ansicht in der Geschäftsstelle aus, wie es laut Vereinssatzung vorgegeben ist. Nur fanden sie im Plenum nie Erwähnung. Erst, als im November 2016 das negative Eigenkapital zum dritten Mal in Serie anwuchs, drohte der DFB in einem Brief mit Punktabzug – und das Thema war erstmals öffentlich.

Negatives Eigenkapital entsteht, wenn die bilanziellen Schulden höher sind als das Vermögen des Vereins. Oft machen Posten wie langfristige Darlehen und Kredite diesen Teil aus, aber auch Zahlungen an die Berufsgenossenschaften können hier eine Rolle spielen. Am Ende des vergangenen Jahres waren die Preußen bei weitem nicht der einzige Drittligist, auf den diese Belastung zutraf, sondern neun weitere Vereine steckten in der Bredouille. Auch für 2017/18 ist ein solches Ergebnis zu erwarten.

Ausgliederung fanfreundlich gestaltet

„Natürlich gibt es extreme Fronten, einige werden wir auch mit Argumenten nicht kriegen“, so Aufsichtsratschef Frank Westermann. „Aber ich glaube, wir haben die Positionen transparent dargestellt und hatten eine angenehme Diskussionsebene.“ Kritische Fragen kamen vor allem aus dem Fanprojekt, das zuvor einen Mitsprachekatalog formuliert hatte.

Zum Thema: Ausgliederungsplan

Strässer hatte gleich zu Anfang klar gemacht, dass „alle diese markanten Punkte“ weitergegeben worden seien. Überhaupt gestalte der SCP seine Ausgliederung sehr fanfreundlich und eher schwierig für Investoren. So sollen alle entscheidenden Posten in der Kapitalgesellschaft mit gewählten Mitgliedern des eingetragenen Vereins besetzt sein. Dessen Basis soll nicht weniger Mitbestimmungsrechte haben als bisher.

Eine direkte Befragung zu allen Themen, wie sie Teile des Plenums gern hätten, wäre allerdings unrealistisch. Zum Showdown kommt es am 14. Januar in der Mensa am Ring. Etwa 600 der rund 2000 Mitglieder, so kalkuliert Strässer, sollten schon anwesend sein, um die 75 Prozent Zustimmung zu erhalten.

Eckdaten der Ausgliederung

► Am 14. Januar, ein Sonntag, um 11 Uhr lädt der Club zur außerordentlichen Mitgliederversammlung in die Mensa am Ring.

► In die GmbH Co. KGaA sollen neben den Profis auch die zweite Mannschaft sowie die U 19 und U 17 überführt werden.

► Ideelle Werte und die breitensportlichen Abteilungen (Leichtathletik, Handball, Faustball, Traditionself) wären vom Übergang ausgeschlossen.

► Als Gründe für den gewollten Schritt wurde der Schutz vor wirtschaftlichen Risiken genannt, eine theoretisch drohende Löschung aus dem Register, die Sicherung der Gemeinnützigkeit, die Professionalisierung des Profibereichs und die Eigenkapitalbeschaffung.

► Die Schulden des eingetragenen Vereins übernimmt die Kapitalgesellschaft, der Club erwirbt im Gegenzug Aktien.

► Präsident Christoph Strässer betonte, dass er dafür eintreten möchte, dass er und seine Vorstandskollegen sich künftig von der Mitgliederversammlung direkt wählen lassen. Bisher bestimmt sie der Aufsichtsrat.

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