Fußball: 3. Liga
Massih Wassey zu Besuch im Schatten des „weißen Riesen“

Münster -

In Münster ging es seinerzeit irgendwie nicht mehr weiter und Massih Wassey suchte sein Glück in der Fremde – mit Erfolg. Aktuell steht der 30.Jährige im Zweitliga-Kader des SC Paderborn und will sich nach überstandenen Rückenproblemen zurück in die Startelf kämpfen.

Freitag, 04.01.2019, 13:50 Uhr aktualisiert: 04.01.2019, 22:38 Uhr
Lang, lang ist‘s her, Massih Wassey: Dieses Foto stammt aus der Saison 2007/08. Zu der Zeit wechselte der damals 19-Jährige aus der A-Jugend des SCP in den Seniorenkader. Foto: pep

Berg Fidel. Hier, im Schatten des „weißen Riesen“, wie der Münsteraner den 17-stöckigen wuchtigen Gebäudekomplex nennt, ist er groß geworden. Im sozialen Brennpunkt. Nur einen Steinwurf vom altehrwürdigen Preußen-Stadion entfernt. „Meine Heimat“, sagt Massih Wassey . Und das Fundament für die eigene Identität. Die ihm unter die Haut geht. Das Tattoo auf seinem rechten Schienbein zeigt einen kleinen Jungen vor einem riesigen Hochhaus. „Das bin ich“, sagt der 30-Jährige – sichtlich stolz. Eines von etwa 20 Bildern, die den Körper des Profifußballers vom SC Paderborn zieren. Ein bemalter „Krieger“, dieser junge Mann, der es nach einem langen Anlauf endlich in die 2. Liga geschafft hat. Gekommen, um zu bleiben.

„Ja, das möchte ich nur zu gern“, gesteht der Sohn einer Afghanin und eines Kanadiers, der einst bei den Preußen unter Roger Schmidt groß aufspielte, ehe er um die Vereinsheime zog. Mehr als Regionalliga war nie drin. „Ich war anfangs zu verkrampft. Wollte zu viel. Und dann habe ich irgendwie nicht mehr an die Chance geglaubt“, gesteht Wassey. Bis die Ostwestfalen im Frühjahr 2017 während seines Abstechers zur BVB-Reserve einfach mal an die schwarz-gelbe Tür klopften. Dann ging alles ganz schnell: 28 Spiele in Liga drei, acht Treffer, Aufstieg – was für eine Saison auf der „Sechs“. So fix der Deutsch-Kanadier ins Rampenlicht rückte, so fix wurde ihm der Boden unter den Füßen wieder weggerissen. In der Vorbereitung warfen ihn Rückenprobleme zurück. Gut sechs Monate lang. Eine schier endlose Leidenszeit. Aufwärts geht es seit Mitte November. Die Reha trägt Früchte, am Samstag will der gebürtige Münsteraner wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Nur an Weihnachten und Silvester gönnte er sich eine kurze Auszeit – in der Heimat. Die Heiligen Tage war er mit Freunden und Tochter Rija (8) zusammen, den Wechsel der Jahre verbrachte er beim Bowlen, später am Hafen. Aber so ganz ohne Sport ging es denn doch nicht: Physiotherapeut Patrick Timmermann nordete ihn in Wolbeck ein. Schweißtreibend. Das Ziel vor Augen: Regensburg. Dort geht am 30. Januar im neuen Jahr erstmals um Punkte. „Die anderen Jungs haben bislang Großes geleistet, einen deutlichen Vorsprung. Ich muss Gas geben, wenn ich ins Team will“, ist Wassey Realist genug. Ein langer Weg. Ach ja: Ganz nebenbei schaute Wassey bei den Hallen-Stadtmeisterschaften vorbei. Beim Abschiedsspiel von Mario Pires dos Santos, genannt „Sisko“, coachte er aus alter Verbundenheit das Team „Sisko Friends&Family“. „Eine Ehrensache“ für ihn im Schatten des „weißen Riesen“ in der Sporthalle Berg Fidel.

Zur Person

Massih Wassey hat sein Fachabitur in der Tasche und könnte sich vorstellen, nach dem Ende seiner Karriere in Münster oder Kanada zu leben. Dorthin sind seine Eltern und die beiden Geschwister ausgewandert, betreiben in der Nähe von Vancouver ein Autohaus. Für ihren „verlorenen Sohn“ würden sie einen Arbeitsplatz schaffen. Jeden Sommer verbringt der Fußballer dort seinen Urlaub, einmal im Jahr kommt die Familie ihn besuchen. „Viel zu selten“, sagt Wassey. Mit viel Wehmut. „Ich bin ein echter Familienmensch.“

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6297137?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F
Offener Brief an den Oberbürgermeister
Aktion der „Seebrücke“ auf den Rathausstufen. Die Initiative will mit Hilfe eines Bürgerbegehrens erreichen, dass sich Münster offiziell zu einem „sicheren Hafen“ für Flüchtlinge erklärt.
Nachrichten-Ticker