Fußball: 3. Liga
Preußen-Profi Kittner soll Psychologie-Kenntnisse einbringen

Münster -

Sportlich ist Ole Kittner nicht erst seit dieser Saison ein wichtiger Faktor für Preußen Münster. Neben dem Platz aber soll der Routinier in Zukunft ebenfalls wichtig werden. Er ist kurz davor sein Psychologie-Studium abzuschließen und soll seine Kenntnisse künftig einbringen.

Donnerstag, 28.02.2019, 13:22 Uhr aktualisiert: 28.02.2019, 17:10 Uhr
Ole Kittner ist schon jetzt für die jungen Spieler im Profi-Kader der Preußen ein wichtiger Ansprechpartner. Foto: Jürgen Peperhowe

Die am Samstag verkündete Vertragsverlängerung mit Ole Kittner war keine Sensation. Zwei weitere Jahre, mindestens, bleibt der 31-Jährige als Spieler Preußen Münster erhalten. Absolut logisch. Der Junge aus der Stadt ist Abwehrchef, Vize-Kapitän, Identifikationsfigur, Leistungsträger, Führungskraft, Fanliebling und alles in allem extrem wertvoll für den Club.

Aufhorchen ließ allerdings Teil zwei der Vereinbarung. Der Drittligist plant langfristig und über die sportliche Laufbahn hinaus mit dem Defensivmann. Kittner, der gerade seine Master-Arbeit in Psychologie schreibt, soll genau in diesem Bereich den SCP voranbringen – mit Blick auf die vorgesehene Errichtung des Nachwuchsleistungszentrums vor allem.

„Wir wollen damit eine klare Botschaft senden“, sagt Sportchef Malte Metzelder . „Ole wird sein Know-how vertiefen und ist eine echte Persönlichkeit, ein Eckpfeiler für uns.“ Während er selber noch auf dem Platz steht, wird Kittner in mehreren Blöcken eine Sportpsychologie-Ausbildung ans Studium ankoppeln, als Standort bietet sich hierfür Köln an. Für diese Spezialisierung ist er mit dem Master-Titel qualifiziert. Aber auch in der Praxis sollen erste Schritte schon ab dem nächsten Jahr folgen. „Ich glaube, es ist eine Win-win-Situation. Ich kann Erfahrungen in diesen Praxisphasen sammeln, der Verein bekommt eine vergleichsweise kostengünstige Expertise“, sagt der Routinier. Auch vor einer NLZ-Zertifizierung möchte der Verein sich auf diesem Feld gut aufstellen. Eine Hauptamtlichkeit ist zwar nicht festgezurrt, aber Sportpsychologen, die selbst Profi waren, gibt es kaum, sodass sich Kittner auch persönlich gut gerüstet fühlt.

Doch wie genau sieht die Arbeit aus, die ihn erwartet? „Da gibt es ganz unterschiedliche Facetten, das macht es so reizvoll“, sagt er. „Einige Fußballer empfinden vor Spielen viel Druck und können überragende Trainingseinheiten selten bestätigen. Bei anderen geht es darum, parallel zur Laufbahn auch alternative Perspektiven zu entwickeln. Ein wichtiger Aspekt ist der Umgang mit Rückschlägen – direkt auf dem Platz, aber auch im Fall von Verletzungen.“ Auf diesem Sektor ist Kittner nach drei Kreuzbandrissen und dreieinhalb Jahren Zwangspause ungewollt Fachmann. „Klar, das hilft mir, dass ich schon einiges erlebt habe.“

Vorstellen kann er sich jedoch genauso, Ideen für die Förderung der Teamarbeit zu liefern. „Der Coach kann in diesen Punkten auch Unterstützung gebrauchen: Wie sieht die beste Kommunikation mit der Mannschaft aus?“ Grundsätzlich sieht er seinen Posten aber eher im Verein implementiert als direkt im Trainerstab. „Es ist schon wichtig, dort komplett unabhängig zu agieren.“

Als Kittner 2013 verletzt vereinslos wurde, nahm er das Studium der Personal- und Wirtschaftspsychologie in Münster auf. „Das Interesse für diesen Zweig war schon immer da. Ich war auch vorher an der Fern-Uni Hagen eingetragen, habe mir die Semester aber nachher nicht anrechnen lassen“, erzählt er. „Bisher konnte ich alles immer gut mit dem Fußball arrangieren.“ Im Zweifel gehen die Profi-Verpflichtungen schon vor. „Aber meistens hatte ich Glück und konnte Klausuren nachschreiben. Preußen ist halt schon noch ein Name, da sind die meisten kulant.“ Die jetzige Aussicht, seinen Sport mit dem künftigen Beruf ideal zu kombinieren, das gibt der Innenverteidiger zu, war aber kein lange gehegtes Ziel. „Für mich ist die Konstellation super. Ich sehe in der Sportpsychologie richtig viel Potenzial.“ Auch Metzelder sagt: „Das Thema wird oft noch stiefmütterlich behandelt, es gewinnt aber zunehmend an Bedeutung, wir sollten uns dem öffnen.“

Nur bei einer Sache sollten sich die Preußen nicht zu sicher sein. Dass Kittner 2021 wirklich aufhört. „Ich will so lange spielen, wie es geht“, sagt er. Ein paar Jahre hat er ja noch nachzuholen nach all dem Verletzungspech.

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