Fußball: 3. Liga
Der künftige Preußen-Coach Hübscher und seine Vorzüge

Münster -

Sven Hübscher macht's, gemeinsam mit seinem Assistenten Tobias Hellwig. Der neue Trainer des SC Preußen kostet trotz laufenden Vertrags keine Ablöse und würde im allerschlimmsten Fall auch in der Regionalliga an der Seitenlinie stehen. Seine Laufbahn bisher liest sich spannend.

Mittwoch, 20.03.2019, 16:41 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 17:01 Uhr
Sven Hübscher streift nach dieser Saison die Werder-Jacke ab und den Preußen-Trainingsanzug über. Foto: Witters

Im Dezember 2014 trat Sven Hübscher einmal unfreiwillig und mit einer schmerzhaften Episode aus dem Windschatten des Profifußballs heraus. Als Co-Trainer von Roberto di Matteo beim FC Schalke 04 traf ihn im Spiel gegen den 1. FC Köln (1:2) ein von der Tribüne kommendes Metallfeuerzeug an der Stirn und verursachte eine üble Platzwunde.

Künftig wird der 40-Jährige als Trainer von Preußen Münster wesentlich häufiger im Mittelpunkt stehen – und dann sollen es angenehmere Schlagzeilen sein. Die Unterschrift ist getrocknet. Was sich abzeichnete, ist seit Mittwoch bestätigt. Der Vertrag ab Sommer gilt bis 2021. Wie der Chefcoach, der aktuell noch die U 23 von Werder Bremen in der Regionalliga anleitet, erhielt auch sein dortiger Assistent Tobias Hellwig einen Zweijahresvertrag an der Hammer Straße.

Wir haben unsere absolute Wunschlösung, beide erfüllen genau unser Anforderungsprofil.

Malte Metzelder

Sportchef Malte Metzelder zeigte sich extrem zufrieden: „Wir haben unsere absolute Wunschlösung, beide erfüllen genau unser Anforderungsprofil. Sie haben bewiesen, dass sie mit jungen Spielern arbeiten und diese entwickeln können.“ Mehr als 15 Jahre war Hübscher für Königsblau im Nachwuchs-Bereich und zum Ende auch bei den Profis tätig, seine aktive Laufbahn endete früh verletzungsbedingt. An der Weser war er seit 2017 erst für die U 17 und dann für die U 23 verantwortlich, die er in der Vorsaison einige Monate auch noch als Drittligist betreute. Werder lässt den Fußballlehrer ziehen, war „kooperativ und kollegial“, so Metzelder. Also ohne Ablöse.

Es ist der nächste logische Schritt.

Sven Hübscher

„Es ist der nächste logische Schritt“, sagt Hübscher, der immer gern ein Profi-Team anleiten wollte. „In den Gesprächen mit der sportlichen Leitung hat sich schnell herausgestellt, dass wir eine sehr ähnliche Auffassung vom Fußball und der Zusammenarbeit haben.“ Hübscher gilt als Fachmann, aber nicht als Lautsprecher.

Sein Assistent Hellwig ist Inhaber der A-Lizenz. „Die aufgezeigten Entwicklungsmöglichkeiten sind sehr spannend und reizvoll“, so der 32-Jährige, der zwischen 2010 und 2017 für S04, unter anderem als Videoanalyst des Erstliga-Teams, arbeitete.

Kein Novize im Geschäft

Der künftige SCP-Coach betont, dass er den Bremern nicht nur sehr dankbar ist, sondern gleichsam auch, dass er bis zum letzten Spieltag mit voller Konzentration für die zweite Mannschaft zu Werke gehen will. Aber natürlich wird er im Boot sein, wenn Metzelder die nächsten Vollzüge für den Kader 2019/20 vorbereitet. Egal, ob es um Neuzugänge oder aktuelle Spieler geht. Das Auge für die Regionalliga, das Händchen für Talente – diese Komponenten haben Hübscher so interessant gemacht für die Münsteraner, die sich kreative Lösungen statt teurer Verpflichtungen für die Zukunft vorgenommen haben. Dass er gleichzeitig kein Novize im Geschäft ist (drei Jahre Assistent im Schalker Bundesliga-Trainerstab) war ein weiterer Kernpunkt. Für die Planung eines Nachwuchsleistungszentrums wird der gebürtige Dortmunder, zum erfahrenen Ansprechpartner.

Jeglichen Spekulationen beugt Metzelder so vor: „Der Amtsantritt ist so oder so im Sommer.“ Im schlimmsten Fall auch in der Regionalliga.

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

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  • Sven Hübscher

    Sven Hübscher (Bildmitte) als Chef- und Tobias Hellwig (nicht im Bild) als Co-Trainer übernehmen an der Hammer Straße ab der Saison 2019/2020. Beide erhalten Verträge bis zum 30. Juni 2021.

    Foto: Witters
  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann
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