Handball-WM
Plötzliche Abwehrschwächen bei deutschem Aus gegen Norwegen

Hamburg -

Als alle damit rechneten, dass die deutsche Mannschaft nun auch ins Endspiel der WM durchstartet, kam unvermittelt das Aus. Es gab viele Gründe für die 25:31-Niederlage gegen Norwegen. Bundestrainer Christian Prokop blickte aber schon wieder in die Zukunft.

Samstag, 26.01.2019, 10:32 Uhr aktualisiert: 26.01.2019, 10:39 Uhr
Nach der Niederlage gegen Norwegen applaudiert das deutsche Handball-Team dem Publikum. Foto: dpa

Zum ersten Mal in diesem Turnier ging es am Freitagabend für die Deutschen um alles oder nichts. Und gleich erwischte es den Gastgeber. Das 25:31 (12:14) gegen Norwegen beendete alle Träume vom Titel.

Der Gegner hatte einen extrem guten Tag erwischt, die Schiedsrichter verfolgten eine extrem harte Linie. Es war vielleicht der Knackpunkt. Nicht dass da reihenweise Fehlentscheidungen auf die DHB-Auswahl einprasselten. Aber nachdem in den vergangenen Partien ihr zupackendes (und nicht unfaires) Abwehrverhalten toleriert wurde, pfiffen die Referees nun viel ab, verteilten reichlich Zeitstrafen und rissen damit Lücken in den Verbund, die die Norweger schlau und kreativ ausnutzten. „Die Unparteiischen waren vorher Thema, weil wir mit der Auslegung dieses Gespanns gegen Island zu Beginn sichtbare Probleme hatten“, sagte Prokop . „Wir waren der Meinung, gut darauf vorbereitet zu sein. Aber wir haben zu oft zwei Minuten bekommen, dadurch Kompaktheit verloren, in Unterzahl nicht gut gespielt. Da müssen wir uns eingestehen, dass der Matchplan nicht aufgegangen ist.“

Sander Sagosen verteilte die Bälle, zog nach der Pause auch selbst zum Tor und nahm immer wieder seinen Kreisläufer Bjarte Myrhol mit. Gerade, als es Bundestrainer Christian Prokop in der zweiten Hälfte immer wieder mit einer 3:2:1-Abwehr probierte, kamen die Skandinavier oft frei zum Wurf. Hendrik Pekeler war früh durch die zweite Zeitstrafe gehandicapt, sein Defensivpartner Patrick Wiencek hatte nicht die mitreißenden Momente wie sonst. Die Torhüter Andreas Wolff und Silvio Heinevetter konnten so nie glänzen. Es wäre aber auch nicht das erste Mal gewesen, dass sie in solchen Szenen zu Unbezwingbaren aufsteigen. „Sie wurden oft allein gelassen“, nahm der Coach das Duo in Schutz.

Deutschland verliert im Halbfinale gegen Norwegen

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  • Der goldene WM-Traum ist beendet: Die deutschen Handballer haben einen packenden Halbfinal-Krimi am Freitagabend in Hamburg gegen Norwegen mit 25:31 (12:14) verloren und den Einzug in ihr erstes WM-Endspiel seit zwölf Jahren verpasst.

    Der goldene WM-Traum ist beendet: Die deutschen Handballer haben einen packenden Halbfinal-Krimi am Freitagabend in Hamburg gegen Norwegen mit 25:31 (12:14) verloren und den Einzug in ihr erstes WM-Endspiel seit zwölf Jahren verpasst.

    Foto: Soeren Stache
  • Anstatt im Finale gegen Olympiasieger Dänemark wird die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop nun am Sonntag (14.30 Uhr/ZDF) gegen Rekord-Weltmeister Frankreich im Spiel um Bronze antreten.

    Foto: Soeren Stache
  • Noch in der Nacht macht sich die DHB-Auswahl per Bus auf den Weg ins dänische Herning, wo am Sonntag nach dem Spiel um den dritten Platz das Finale zwischen Dänemark und Norwegen stattfindet.

    Foto: Soeren Stache
  • Trotz der lautstarken Unterstützung der 12.500 Zuschauer in der ausverkauften Hamburger Arena waren die Norweger eine Nummer zu groß.

    Foto: Axel Heimken
  • In der extrem schnellen Partie war Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Treffern bester Werfer der deutschen Mannschaft, die erstmals im Turnier Schwächen in der Abwehr offenbarte.

    Foto: Axel Heimken
  • Handball-WM: Deutschland verliert im Halbfinale gegen Norwegen Foto: Soeren Stache
  • Erfolgreichster Norweger war Magnus Röd von der SG Flensburg-Handewitt, dem sieben Tore gelangen.

    Foto: Axel Heimken
  • Dass zu einer nächsten Nervenschlacht kommen könnte, zeigte sich schon in den Anfangsminuten der Partie.

    Foto: Soeren Stache
  • Zunächst führte die deutsche Mannschaft, dann aber drehten die Norweger wieder das Spiel.

    Foto: Axel Heimken
  • Konstant stark agierte anfangs die deutsche Defensive, in der Bundestrainer Prokop im Innenblock erneut von Beginn an auf Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler vertraute.

    Foto: Axel Heimken
  • Und was die Abwehr nicht blocken konnte, parierte in den ersten Minuten Torhüter Andreas Wolff.

    Foto: Soeren Stache
  • Dennoch hatte der Keeper mit den Rückraumwürfen der Skandinavier permanent Probleme und wurde unter lautem Fluchen schon nach rund 19 Minuten erstmals durch Silvio Heinevetter ersetzt.

    Foto: Soeren Stache
  • Schon im Halbfinale der Europameisterschaft 2016 hatten sich beide Teams einen Showdown bis zum Schluss geliefert. Damals hatte die DHB-Auswahl erst in der Verlängerung hauchdünn mit 34:33 gewonnen - und seitdem sind die Norweger noch stärker geworden.

    Foto: Soeren Stache
  • Angestachelt von den lautstarken Fans in der Hamburger Arena war die deutsche Mannschaft immer wieder bemüht, die rasanten Gegenstöße der Gäste zu verhindern. So entwickelte sich schnell eine extrem temporeiche Partie.

    Foto: Soeren Stache
  • Handball-WM: Deutschland verliert im Halbfinale gegen Norwegen Foto: Soeren Stache
  • In seiner ersten Auszeit forderte Prokop seine Schützlinge auf, in Überzahl „nicht zu langsam“, sondern „mit Druck“ zu spielen. Tatsächlich haperte es zunächst an der Entschlossenheit in den deutschen Offensivbemühungen.

    Foto: Axel Heimken
  • Doch erstmals in diesem Turnier offenbarte Deutschlands Abwehr in einigen Phasen Lücken. Auch die Torhüter waren nicht so stark wie sonst.

    Foto: Axel Heimken
  • Dennoch gab sich die DHB-Auswahl nie auf - auch weil das Publikum nie aufsteckte.

    Foto: Soeren Stache
  • Vor allem über ihre Kreisläufer kamen die Skandinavier zu Toren. In der Schlussphase erhöhte Prokop das Risiko und brachte phasenweise einen siebten Feldspieler. Doch auch das half nicht. Und am Ende fiel der norwegische Sieg ein wenig zu hoch aus.

    Foto: Soeren Stache

Im ersten Durchgang war der später verletzte Magnus Rod schwer zu bremsen aus dem Rückraum. Dort hatten die Deutschen Ausfälle wie Steffen Fäth (Prokop: „Er wurde aggressiv verteidigt“) oder Kai Häfner. Fabian Wiede probierte alles, mit wechselndem Erfolg. Nur Fabian Böhm hielt mit seinen Einzelaktionen die Hoffnung am Leben. „Insgesamt fehlte der Mut, zum Tor zu ziehen“, sagte der Trainer.

„Alle haben einen Riesenjob gemacht“

Am Sonntag (14.30 Uhr) bietet sich gegen Frankreich in Herning noch die Chance auf Bronze. Noch in der Nacht zu Samstag reiste das Team im Bus nach Dänemark. Eine Medaille wäre ein schöner Ausklang. Was von dieser WM bleibt, steht aber auf einem anderen Blatt. Und da sieht Prokop richtige Ansätze: „Die Frage ist: Haben wir es geschafft, die Sportart populärer zu machen? Ich denke, da haben alle einen Riesenjob gemacht. Das Land hat ein paar Sympathieträger gewonnen. Das wollen wir diesmal nutzen und mit Nachhaltigkeit angehen.“ Gehen diese Pläne auf, wird die Pleite von der Elbe auf Sicht zu verschmerzen sein.

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