„Klar, wahr und verlässlich“
Klöckner plant Tierwohllabel für Fleisch mit drei Stufen

Münster/Berlin -

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Wochenende überraschend früh die Eckpunkte des geplanten Tierwohllabels für Fleisch und Fleischerzeugnisse vorgestellt. Das neue Siegel soll dabei drei Stufen enthalten, an denen der Verbraucher im Supermarkt oder im Fachbetrieb Herkunft, Haltungsstandards und Lieferwege des Fleischs und der Wurst erkennen kann. Das neue Label soll bereits 2020 kommen und wird damit die bisher von Bauern, Lebensmitteleinzelhandel und Fleischwirtschaft in diesem Jahr eingeführte Initiative Tierwohl ablösen.

Montag, 07.05.2018, 06:52 Uhr aktualisiert: 07.05.2018, 08:07 Uhr
Das neue staatliche Label für mehr Tierwohl wird auf dem Messegelände auf der Internationalen Grünen Woche vorgestellt. Das geplante staatliche «Tierwohllabel» für Fleisch und Wurst im Supermarkt soll nach Plänen von Bundesagrarministerin Klöckner drei Stufen bekommen. Auf die schwarz-rot-goldene Flagge der hier gezeigten ersten Version will Klöckner jedoch verzichten. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Klöckner stellte am Wochenende in Berlin erste Details vor. Danach soll eine Kennzeichnung der Tierhaltung auf dem Fleisch oder der Wurst nicht in Buchstaben, sondern – ähnlich wie bei Eiern – in Zahlen sichtbar werden. Dies hatten Verbraucherschützer und einzelne Naturschutzverbände gefordert.

Teilnahme ist freiwillig

Bei der Agrarministerkonferenz in Münster hatte Klöckner noch eine Festlegung vermieden. Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin erklärte zudem, bei der Einführung des staatlichen Labels auf die Interessen der Landwirte und der Branche Rücksicht zu nehmen. „Eine Teilnahme ist freiwillig. Wir werden das Label so attraktiv machen, dass viele Landwirte mitmachen und sich dadurch die Haltungsbedingungen der Nutztiere spürbar verbessern“, erklärte Klöckner.

Kennzeichnung für den Verbraucher

Die Eingangstufe, nach der das Label verliehen wird und durch das letztlich die Bauern auch einen finanziellen Ausgleich für ihre Ware erhalten werden, soll nach den Worten der Ministerin „eindeutig über dem gesetzlichen Standard“ liegen. Die Kennzeichnung für den Verbraucher werde „klar, wahr und verlässlich sein“.

Kritik der Grünen

Kritik kam von den Grünen: „Ein weiteres freiwilliges Label bringt uns nicht weiter“, sagte deren Agrarexperte Friedrich Ostendorff. Er forderte: „Wir müssen die Tierhaltung grundsätzlich umgestalten und nicht an Symptomen rumdoktern.“

Ein Kommentar zum Thema

Die Ministerin hat es eilig. Anders als bei der Agrarministerkonferenz in Münster angekündigt und vor allem anders als ihr zögernder Vorgänger Christian Schmidt will Julia Klöckner offenbar auch bei der Einführung eines Tierwohllabels Druck machen. Der CDU-Politikerin, die im Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel mindestens als CDU-Parteichefin durchaus Chancen hat, geht es offenbar darum, sich als Ministerin schnell und gründlich zu profilieren.

Es besteht gesellschaftspolitischer Konsens darüber, die Frage der artgerechteren Tierhaltung (auch und gerade in einer Zeit des Preiskampfes in der Lebensmittelbranche) zu diskutieren und möglichst zu lösen. Ein erster Ansatz wäre, den Verbraucher darüber zu informieren, dass zum Beispiel die Reduzierung von Antibiotika bei der Mast oder die Vergrößerung der Ställe ihren Preis auf der Erzeugerseite haben.

Kaum ein Markt ist so global aufgestellt wie der Agrarmarkt – und deswegen ist es gut, wenn die Politik jetzt dafür sorgt, dem Verbraucher durch ein transparentes und staatlich legitimiertes Siegel deutlich zu machen, welche Bratwurst und welches Steak er gerade in den Einkaufswagen legt. Sollte das gelingen, hätte Klöckner durchaus aus ihrem Amt einen vorzeigbaren Erfolg erzielen können. - Frank Polke

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