Erstes Lagebild zur Clan-Kriminalität
7000 Taten aus zehn Familien

Coesfeld/Düsseldorf -

Wie mächtig sind kriminelle Clans in Deutschland? Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat nun das bundesweit erste Lagebild zum Phänomen präsentiert. Mehrere Täter kommen auch aus dem Kreis Coesfeld.

Mittwoch, 15.05.2019, 20:02 Uhr aktualisiert: 15.05.2019, 20:28 Uhr
Polizisten sichern während einer Razzia von Zoll und Polizei eine Shisha-Bar. Foto: Bernd Thissen/dpa

In NRW operieren nach Erkennt­nissen des Landeskriminalamtes ( LKA ) 104 kriminelle Clans, ihnen werden für die Jahre 2016 bis 2018 nicht weniger als 14.225 Straftaten zugeordnet. Mehr als ein Drittel dieser Taten gehöre zur Kategorie der Rohheitsdelikte wie Raub, Nötigung, Bedrohung oder gefährliche Körperverletzung, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch. In ­Düsseldorf stellte er das ­bundesweit erste Lagebild zur Clan-Kriminalität vor. „Die Erstellung eines Lagebildes funktioniert nur mit der Zuordnung von Straf­taten zu einem Familien­namen.“ Das Risiko einer Stigmatisierung müsse man in Kauf nehmen.

So kennt die Polizei 6449 Tatverdächtige als Mit glieder der Clans. 381 von ihnen seien als Mehrfach­täter für fast ein Drittel der Straftaten verantwortlich. Zwar sind die meisten Clan-Mitglieder in Großstädten zu finden, doch rücken auch ländliche Regionen in ihren Fokus. So kommen je elf Intensivtäter aus den Kreisen Coesfeld, Mettmann und Soest.

3700 Taten gehen aufs Konto zweier Familien

Zwei Jahre haben LKA- ­ Experten an dem Lagebild gearbeitet, sagte der Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität, Thomas Jungbluth. Die Nationalität der aus einem türkisch-arabischen Hintergrund kommenden Clan-Mitglieder ist bei 36 Prozent deutsch, 31 Prozent sind Libanesen, 15 Prozent Türken und 13 Prozent Syrer. Gerade die jüngere Generation demonstriere offen eine Vormachtstellung. Die Jugendlichen hätten kaum Schulabschlüsse, „aber hohe Erwartung an ihren Lebensstandard“, sagte Jungbluth.

Zehn der 104 Clans rechnet die Polizei gut die Hälfte aller Straftaten zu, allein 3700 Taten gehen aufs Konto zweier Familien. „Clan-Kriminalität ist keine Kleinkriminalität“, betonte Reul. 24 versuchte und zwei Tötungsdelikte kennt die Polizei. Diebstahl, Betrug und Rauschgift­kriminalität machen ein weiteres Drittel der Clan-Straftaten aus. Neben Shisha-Bars, Wettbüros und Sicherheitsdiensten werde der Wucher mit Schlüsseldiensten zum Geschäftsfeld.  

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