Serie: Europa lebt in Münster
Mit dem Zebrafisch durch Europa

Münster -

Als die Finnin Anne Aalto erfahren hat, wie viel Geld sie für ihre Stelle in Deutschland bekommen sollte, dachte sie, es wäre ein Witz. Schnell merkte sie, dass das Lohnniveau hierzulande ein anderes ist und sie gut von dem Geld leben konnte. Über weitere Unterschiede zwischen Deutschland und Finnland, die Vorteile Europas, Zebrafische und „Kommissar Rex“ kann die Wahlmünsteranerin aus Vantaa bei Helsinki so einiges erzählen.

Samstag, 11.05.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2019, 10:18 Uhr
Anne Aalto kommt aus Finnland. In Münster vermisst sie am meisten das landestypisch salzige Roggenbrot. Foto: Pjer Biederstädt

„Ich wusste nicht, dass ich den Winter mag, bis ich ihn verloren habe“, sagt Anne Aalto . Klar, in Münster gibt es auch Winter, aber der zählt für die 30-Jährige nicht so richtig. Sie ist schließlich Finnin.

Vor viereinhalb Jahren kam Anne Aalto nach Münster. Als sie die Einladung zum Vorstellungsgespräch für eine Doktorandenstelle an der Uni Münster bekam, musste sie erst einmal nachsehen, wo Münster überhaupt liegt. Das weiß sie jetzt nur allzu gut, schließlich ist die „gemütliche, große, aber doch irgendwie kleine“ Stadt zu ihrem Zuhause geworden.

Europa ist ein hohes Gut

Hier verbringt sie viel Zeit mit ihrem internationalen Kollegenkreis, Freunden – und mit Zebrafischen. Denn die Zellbiologin aus Vantaa bei Helsinki untersucht anhand der Tiere, „wie Zellen organisiert sind, um sich bewegen zu können.“ So lautet zumindest ihre vereinfachte Erklärung für Laien. In Wahrheit ist das natürlich alles viel komplizierter.

Anne Aalto

Anne Aalto Foto: Pjer Biederstädt

Alles andere als kompliziert war es für sie, innerhalb Europas einen Job anzufangen. „Ich musste irgendwie fast gar nichts ausfüllen“, wundert sie sich noch heute. Für sie haben die Errungenschaften, die das Bündnis mit sich bringt, einen hohen Wert, zumal sie nach ihrer Doktorarbeit weiterziehen will. „Eigentlich nach England, aber das könnte wegen des Brexits Probleme geben.“ Deshalb hat sie jetzt die Niederlande im Fokus.

Deutsch lernen mit Kommissar Rex

In ihrer Heimat seien die meisten Menschen proeuropäisch eingestellt. „Aber auch bei uns gibt es Nationalisten. Und es werden mehr“, sagt Anne Aalto. Von der Europawahl bekommt sie hier mehr mit als ihre Familie in Finnland. Als ihr Vater neulich zu Besuch war, wunderte er sich über die vielen Wahlplakate.

„In Finnland wurde erst kürzlich gewählt, die Leute haben den Wahlkampf satt, deshalb gibt es kaum Plakate“, erklärt Anne Aalto auf Englisch. Sie könnte es auch auf Deutsch sagen. Gut genug wäre es allemal. Schließlich hatte sie einen guten „Lehrer“: „Ich habe immer ‚Kommissar Rex‘ auf Deutsch mit Untertiteln geschaut.“

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