Serie: Europa lebt in Münster
Raymond Hickey: Professor von der grünen Insel

Münster -

Am 26. Mai wird das Europa-Parlament gewählt. Wir stellen in einer Serie bis zum Wahltermin täglich Münsteraner aus den EU-Ländern vor. Durch sie lebt Europa in Münster. Diesmal erzählt der Ire Raymond Hickey, was ihm Europa bedeutet – und was er vom Brexit hält.

Mittwoch, 22.05.2019, 12:00 Uhr
Raymond Hickey ist Ire – und als Professor Beamter des deutschen Staates. Foto: Dirk Anger

Raymond Hickey hat den weitaus größten Teil seines Lebens in Deutschland gelebt, nämlich 43 von jetzt 64 Jahren. Aber er ist dabei immer ausschließlich irischer Staatsbürger geblieben – und das liegt an der integrierenden Kraft der Europäischen Union . „Irland hat unglaublich durch die EU profitiert und sich entwickelt“, betont Hickey, „die meisten Iren sind große Fans der EU.“

Die Republik Irland war gerade mal drei Jahre Mitglied in der Union, da kam Raymond Hickey 1976 als Student nach Deutschland. Seine spätere Frau, eine Deutsche, hatte er zuvor schon daheim auf der grünen Insel kennengelernt.

Raymond Hickey hat Karriere in Deutschland gemacht: Er ist – die EU macht es möglich – als Professor für Anglistik deutscher Beamter, lehrt an der Universität Duisburg-Essen englische Sprachwissenschaft. In seiner deutschen Wahlheimat ist Hickey im Zuge seiner wissenschaftlichen Karriere weit herumgekommen. Die Universitäten Kiel, München, Bayreuth und Bonn waren zuvor seine Stationen.

In Münster hat seine Frau, von Beruf Ärztin, eine Praxis; das Paar lebt seit zwölf Jahren in Münster. „Die Familie meiner Frau kommt von hier“, erzählt Hickey – und kommt dann auf die Westfalen zu sprechen. Zuverlässig seien sie, aber auch ein bisschen – und das bedauert der wie die meisten seiner irischen Landsleute eher kommunikativ veranlagte Hickey schon ein wenig – „etwas wortkarg“. Alles im Gegensatz zu den Rheinländern, bei denen Hickey zuvor lebte und arbeitete. „Es ist schon erstaunlich, welche Mentalitätsunterschiede man in Deutschland im Abstand von weniger als 200 Kilometern findet“, meint er.

Auf Münster lässt er aber nichts kommen – und die Heimat ist schnell zu erreichen. In Düsseldorf startet jeden Morgen um 10.30 Uhr eine Maschine nach Dublin, wo Raymond Hickey geboren ist. Seine Mutter lebt im Städtchen Waterford an der Südküste. „Ich fliege häufig für ein verlängertes Wochenende und sowieso für die Ferien hin“, sagt Hickey.

Die politische Entwicklung in seiner Heimat beobachtet er mit wachsender Sorge – und daran sind die Briten und der drohende Brexit schuld. „Ein Desaster“, dessen Folgen für die irische Insel sich Raymond Hickey noch gar nicht recht aus­malen mag. Als er nach Deutschland ging, verlief zwischen der Republik Irland und Nordirland eine schwer bewachte Grenze. Terrorakte in Nordirland waren an der Tagesordnung. Heute gibt es kaum noch Trennendes, „die Menschen fahren hin und her, die Wirtschaft ist ganz eng verzahnt.“ Raymond Hickey seufzt – dass die Briten noch den Exit aus dem Brexit finden und in der EU bleiben, glaubt er nicht mehr. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Zum Schluss ist ihm wichtig zu sagen: „Ich glaube stark an den europäischen Gedanken, an ein geeintes Europa nach all den Irrungen des 20. Jahrhunderts – auf dass sie nie wieder­kehren.“

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