Europawahl
Ringen um den Brüsseler Spitzenposten

Münster -

Parteiprogramme sind gut, aber Personen bleiben dem Wähler im Gedächtnis. Die Parteienzusammenschlüsse haben daher europäische Spitzenkandidaten aufgestellt. Die aussichtsreichsten sind ein Deutscher und ein Niederländer: Manfred Weber und Frans Timmermans.

Freitag, 24.05.2019, 07:25 Uhr
Manfred Weber (l, EVP) und FransTimmermans (SPE), Spitzenkandidaten für die Europawahl, stehen vor der ARD-Live-Sendung "Wahlarena zur Europawahl" im Fernsehstudio nebeneinander. Foto: dpa

Die Europäische Volkspartei (EVP) geht mit dem CSU-Politiker Manfred Weber ins Rennen. Der 46-Jährige Diplom-Ingenieur ist seit 2004 im Europaparlament und hält seit 2014 als Chef die mehr als 200 Köpfe zählende EVP-Fraktion zusammen. Der Katholik ist ein verbindlicher Kommunikator. Er gilt eher als Strippenzieher, denn als Freund offenen Streits. Aber wo es sein muss, zeigt er klare Kante. Das hat er bei der Suspendierung der EVP-Mitgliedschaft der Fidesz-Partei des nach rechts abdriftenden Ungarn Viktor Orbán bewiesen.

Auch sein Gegenspieler Timmermans hat Erfahrung mit (Rechts-)Abweichlern in der EU . Als Vizepräsident der EU-Kommission redete er in den Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen Ungarn und Polen Klartext – aber diplomatisch. Dieses Handwerk hat der Sozialdemokrat und Ex-Außenminister gelernt – praktisch von Kindesbeinen an: Er wuchs als Sohn eines Diplomaten in Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland auf. Sieben Sprachen spricht er fließend. Er gilt als ehrgeizig, müsste aber eine breite Koalition der linkeren Parteien hinter sich zimmern, um im EU-Parlament Wahlchancen zu haben.

Aber: Noch ist nicht ausgemacht, dass der erfolgreichste „Spitzenkandidat“ am Ende tatsächlich Jean-Claude Juncker an der Spitze der EU-Kommission beerben wird. Denn trotz allem Drängen des Parlaments haben das Vorschlagsrecht die EU-Staatschefs. Einige, wie Emmanuel Macron, wehren sich vehement gegen den „Automatismus“ Spitzenkandidat-Spitzenposten. Der Franzose dürfte dabei auch die Chancen seiner liberalen Spitzenkandidatin im Hinterkopf haben: Die 51-jährige Dänin Margrethe Vestager hat als EU-Wettbewerbskommissarin bewiesen, dass sie nicht von den Großen einzuschüchtern ist – auch nicht von Google und Apple.

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